Beitrags-Archiv für die Kategory 'LeseProbe'

Leseprobe – Norbert Weis: Circus Scribelli …

Sonntag, 26. Juni 2011 19:06

[…] Max Frisch beklagt in seinem Tagebuch 1946–49 die Schwierigkeit, »ein Rezensent zu sein«. Auch Theodor Fontane beginnt seine Besprechung von Gerhart Hauptmanns Theaterstück Vor Sonnenuntergang mit einem Stoßseufzer: »Es ist«, schreibt er, »nie ganz leicht, zu kritisieren, und mitunter ist es schwer.«

Tatsächlich scheint es so zu sein. Aller Regeln und Grundsätze ihres Metiers zum Trotz geriet sich vor Jahren Deutschlands Kritikerelite in die Haare über die Frage, ob denn Johannes Mario Simmels Romane kritikwürdig seien oder nicht. Autoren ihrerseits hielten den Rezensenten ihrer Bücher vor, »mit traumwandlerischer Sicherheit am Wesen von Literatur vorbei« zu kritisieren. Außerdem verzerrten Missgunst und Hybris ihre Urteilskraft, was zur Folge habe, dass ihr Treiben, schäbig, wie es einmal sei, den gesamten Berufsstand in Misskredit bringe … […]

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Die Herzlinien der Hilla Jablonsky

Montag, 13. Juni 2011 15:38

Dr. Klaus Fritze hat eine stimmungsvolle Kompilation erstellt, die einen kleinen Eindruck erzeugt von der Dichtung der Hilla Jablonsky. Die Aufzeichnung, für die wir herzlich danken, erfolgte im Rahmen der HerzlinienVernissage in der Galerie Framework Arts von Eva-Maria Decker-Conradi.

Der Band »Herzlinien«, der gleichsam als ›Poesie-Album‹ die meisten der von der Autorin rezitierten Gedichte enthält, kann hier erworben werden. …

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Aller deutschen Genien Bekannter, Correspondent und Freund …

Montag, 18. April 2011 12:33

Ab morgen wird der Band »Der Familienkreis Friedrich Heinrich Jacobi und Helene Elisabeth von Clermont. Bildnisse und Zeitzeugnisse« von Jan Wartenberg ausgeliefert.
Gurdrun Schury beginnt ihr Vorwort wie folgt und macht damit neugierig auf den kultur- und literarhistorischen Kleinkosmos, der in der Verbindung der beiden ›Titelfiguren‹ angelegt war und immer noch ist. Dort heißt es:

Ohne ihn fehlten uns eine ganze Menge wichtiger Erkenntnisse über das 18. Jahr­hundert. Wie kein anderer war Friedrich Hein­rich Jacobi Anreger und Beobachter von ent­scheidenden Strömungen seiner Epoche. Ob Pantheismus- oder Atheismusstreit, Kant- oder Schellingkritik, es fällt der Name Jacobi dabei. Er war es, der zusammen mit Christoph Martin Wieland die Idee des Teutschen Merkurs entwi­ckelte, er war Bewahrer von Goethes Wanderers Sturmlied und Adressat einiger der geistvollsten Lessing- und Wielandbriefe, die man kennt. Wilhelm Heinses italienische Reise und deren Extrakt Ardinghello wären ohne Jacobi nicht zu­stande gekommen. Schließlich fehlten heute etliche Eintragungen im Who’s who des 18. Jahr­hunderts, wäre Jacobis Lieblingsbeschäftigung nicht gewesen, Freundschaften zu pflegen, Briefe zu schreiben und zu empfangen. Lag ge­rade kein Brief auf seinem Pult, so schrieb er Rezensionen, Aufsätze, Abhandlungen, seine beiden Romane – stets war darin die episto­lographische Form aber gegenwärtig. […]

Die Lektüre der Einleitung und des gesamten Bandes kann ab morgen fortgesetzt bzw. aufgenommen werden! (Vor-)Bestellungen sind ab sofort möglich und erwünscht! [bestellen]

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Goethe und Beethoven, in: Jahresgaben 2009

Mittwoch, 9. März 2011 21:01

Ab sofort sind die »Jahresgaben« der Goethe-Gesellschaft Bonn (ab Band 2009 nun im Verlagsprogramm) zu haben. Die Mitglieder der Gesellschaft erhalten ein Exemplar im Rahmen der Mitgliedschaft, interessierte Goethe-Freunde können den Band über den Verlag und im Buchhandel bestellen.
Mit einem expliziten Bonn-Bezug sei hier exemplarisch auf den Beitrag von Dr. Arnold Pistiak hingewiesen: »Gebändigt? Ungebändigt? Überlegungen zum Verhältnis von Goethe und Beethoven«. Als kleines ›amuse gueule‹ wird hier ein Auszug aus der Einleitung wiedergegeben:

»Der kann Alles«, meinte Franz Schubert, »wir aber können noch nicht Alles verstehen und es wird noch viel Wasser die Donau dahinwogen, ehe es zum allgemeinen Verständniß gekommen, was dieser Mann geschaffen.«[1] »Der kann alles«: Schuberts Worte bezogen sich auf Beethoven – sie hätten sich aber auch auf den Dichter beziehen können, der beide Musiker – und nicht nur sie – mehrfach brüskiert hatte: auf Goethe. Beethoven und Goethe – seit dem Erscheinen von Bettina von Arnims Briefroman Goethe’s Briefwechsel mit einem Kinde ist rund ein Dutzend Arbeiten erschienen, die den Beziehungen der beiden Großen nachspüren. Allerdings geht es in ihnen zumeist um jene Begegnung, von der Bettina erzählt. Beethoven, schreibt sie (1832), habe ihr einen Brief gesandt und unter anderem berichtet:

»Wir begegneten gestern auf dem Heimweg der ganzen Kaiserlichen Familie. Wir sahen sie von weitem kommen, und der Göthe machte sich von meiner Seite los, um sich an die Seite zu stellen; ich mochte sagen, was ich wollte, ich konnte ihn keinen Schritt weiter bringen, ich drückte meinen Hut auf den Kopf, knöpfte meinen Oberrock zu und ging mit unterschlagenen Armen mitten durch den dicksten Haufen.«[2]

Dieser Brief liegt nicht vor. Ist er verloren gegangen, wurde er vernichtet, wurde er erdichtet? Wir wissen es nicht. Gerade an diesem Punkt aber setzen immer wieder Spekulationen an, darauf gerichtet, das ›Richtige‹ herausfinden zu wollen. Daran werde ich mich hier nicht beteiligen. Ich lade Sie jedoch ein, einige Blicke auf das Verhältnis von Beethoven und Goethe zu werfen – zunächst auf ihre Begegnungen im Sommer 1812, sodann auf einige Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Weltverhältnis und Kunstverständnis. […]


[1] Nach einem Bericht von Karl Johann Braun v. Braunthal. In: Ludwig van Beethoven. Berichte der Zeitgenossen, Briefe und persönliche Aufzeichnungen, gesammelt und erläutert von Albert Leitzmann, 2 Bde., Leipzig 1921, 1. Bd., S. 335.

[2] Bettine von Arnim, Goethe’s Briefwechsel mit einem Kinde (Werke und Briefe in vier Bänden. Hg. v. Walter Schmitz und Sibylle von Steinsdorff), 2. Bd., Frankfurt am Main 1992, S. 853.

Bibliographie des angezeigten Bandes:
Jahresgaben der Goethe-Gesellschaft Bonn. 2009. Herausgegeben von der Goethe-Gesellschaft Bonn e.V. 1. Aufl., Bonn 2011, 126 Seiten, ISSN 2191-480X, ISBN 978-3-939431-60-2, Euro 14,80.

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Leseprobe: Herzlinien, Hilla Jablonsky

Dienstag, 17. August 2010 9:32

Briefe
in meinen Schränken
taub geworden
weil niemand
ihre Träume hört
sie wissen
von durchwachten Nächten
durchwanderten
Erinnerungen
sie warten
auf das Echo.

Quelle
Hilla Jablonsky: Herzlinien. Illustriert mit Arbeiten der Autorin. Redaktioneller Anhang mit Anmerkungen zu Biografie und Werk sowie einem Gespräch mit Hilla Jablonsky von Christina zu Mecklenburg.
12×17 cm / franz. Broschur / 11, z.T. farbige Abbildungen /62 eiten
1. Aufl. Bonn 2010 / ISBN 978-3-939431-48-0 / Euro 12,80

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Leseprobe – Merkel: Autobiographische Schriften …

Donnerstag, 8. April 2010 18:55

Cover: Hentschel, Merkel

Im Juni 2010 erscheint, zum ersten Mal nach den Erstausgaben herausgegeben, ein Band mit den autobiographischen Texten von Garlieb Helwig Merkel (1769-1850): »Skizzen aus meinem Erinnerungsbuch« und »Darstellungen und Chrakteristiken aus meinem Leben«.
Als kleiner Appetithappen wird hier eine Passage wiedergegeben, die episodenhaft Merkels Aufeinandertreffen mit Goethe dokumentiert. Sie ist durchaus exemplarisch, was die ›heitere Bissigkeit‹ angeht, mit der Merkel sein Umfeld – persönlich, sachlich und auch örtlich – zu beschreiben wusste.

[…] Daß Loder in Jena ein Haus machte, hab’ ich schon gesagt. Er hatte eine schöne Wohnung, wenn ich nicht irre, einen Theil des Schlosses, die elegant möblirt war, und gab oft Mahlzeiten, bei denen es stattlich herging. So oft ein ausgezeichneter Gelehrter aus der Fremde nach Jena kam, machte Loder gleichsam die Honneurs der Stadt, und die anständigsten Studenten, vor Allen die Liefländer, hatten Zutritt bei ihm, so oft sie es wünschten. Gegen mich zeigte er viel freundschaftliche Güte. Als ich nach Weimar zog, bat er mich, so oft ich Jena besuchte, bei ihm abzusteigen, was ich indeß nur einmal that. Selbst in seinen letzten Lebensjahren hatte er mir von Moskau aus noch Beweise seines freundschaftlichsten Andenkens gegeben.
In seinem Hause war es auch, daß ich zum ersten und einzigen Male mit Göthe zusammentraf, aber leider auf eine Weise, die unsre persönliche Antipathie auf immer entschied. […]

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Albert Schweitzer – das Heft zum Film …

Samstag, 19. Dezember 2009 13:36

Das Leben von Albert Schweitzer wird ab dem 24.12.09 in einem Kino-Film dokumentiert.
Elemente einer schweizer’schen Alltagsethik, deren ›Aktualisierung‹ sich gerade auch für unsere Krisenzeit (wieder) anbietet und Not tut, hat Claus Günzler im Bernstein-Regal, No. 2, entfaltet. Das Heft können Sie hier bestellen.

Leseprobe:

Als Albert Schweitzer 1923 die ersten beiden Bände seiner Kulturphilosophie publizierte, fiel das Echo bei den Fachphilosophen dürftig aus. Nur wenige Repräsentanten der akademischen Philosophie setzten sich mit ihm auseinander, so zum Beispiel Oskar Kraus und Ernst Cassirer, doch mehrheitlich ignorierte man die Thesen, die da ein kritischer Kopf unter dem Eindruck des afrikanischen Urwalds zur europäischen Kultur vortrug. Schweitzers eigenwillige Art zu philosophieren nahm auf die methodischen Standards der Schulphilosophie zu Beginn des 20. Jahrhunderts wenig Rücksicht, und sein Plädoyer für eine Neubegründung der Ethik entfernte sich so weit von den traditionellen Argumentationsmustern, dass es in der ethischen Debatte keine allgemeine Beachtung finden konnte. Im Unterschied zu den Theologen, die Schweitzers Jesus- und Paulus-Forschung als herausragende Werke des liberalen Protestantismus ohne Zögern in die Fachdiskussion aufnahmen, respektierte ihn die Mehrheit der Philosophen zwar als den ethisch inspirierten Urwaldarzt von Lambarene, nicht aber als einen authentischen Ethiker von akademischem Rang. Diese Tradition des Desinteresses durchbrach 1972 Walter Schulz, der in seinem vielbeachteten Hauptwerk Philosophie in der veränderten Welt die Ethik an konkreten Problemen neu auszurichten versuchte und dabei auch der Position Schweitzers eine wichtige Rolle zusprach[1], doch er blieb eine einsame Ausnahme. […]


[1] W. Schulz, Philosophie in der veränderten Welt, Neske, Pfullingen 1972, S. 740-743; ital. Übers. durch T. Griffero, Le nuove vie della filosofia contemporanea, Marietti, Genova 1986.

Bibliographischer Hinweis:
Claus Günzler: Vom ›Park‹ in die ›Wildnis‹. Albert Schweitzers Modell einer elementaren Alltagsethik [= Bernstein-Regal, Nr. 2]; 12 x 21 cm, 48 Seiten, Rückstichheftung, ISBN 978-3-939431-23-7, Euro 3,00.

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R. Safranski: Goethe und Schiller. Geschichte einer Freundschaft (W. Butzlaff)

Freitag, 14. August 2009 13:07

Aus aktuellem Anlass – am 17.08.09 erscheint, von vielen bereits erwartet, das neue Buch von Rüdiger Safranski: Goethe und Schiller. Geschichte einer Freundschaft (Hanser Verlag) – veröffentlichen wir hier und heute, gleichsam als ›Vorabdruck‹, eine Rezension dieser Novität aus der Kritiker-Feder unseres Autors, Dr. Wolfgang Butzlaff (Kiel). Sie ist Teil des Sammelbandes mit dem Titel »Musensohn oder Rattenfänger. Goethe-Rezeption auf vier Ebenen«, dessen Erscheinen im Oktober 09 auch das Resümee einer lebenslangen Beschäftigung des erprobten Goethe-Spezialisten mit der Klassik anlässlich seines Geburtstags darstellt. Der Band wird im Rahmen einer festlichen Feierstunde zu Ehren des Jubilars/Autors in den Räumen der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek am 31. Oktober 2009 präsentiert.

Die Dioskuren der deutschen Klassik

Verleger und Autoren werden es nicht gerade begrüßt haben, daß 2009 schon wieder Anlaß besteht, die Erinnerung an Schiller aufzufrischen. Sind nicht vor vier Jahren erst anläßlich seines zweihundertsten Todestages umfangreiche Biographien und erhellende Spezialstudien genug erschienen, um jetzt zum zweihundertfünfzigsten Geburtstag des Dichters auf sie zurückgreifen zu können? Hat nicht gerade Rüdiger Safranski mit dem Untertitel »Die Erfindung des deutschen Idealismus« 2004 in seinem Schillerbuch auch das gesamte geistige Umfeld neu aufgearbeitet und ausgebreitet? Innerhalb kurzer Zeit dürften doch kaum so viele bisher unbekannte Einzelheiten von Schillers Leben und Werk hinzugekommen sein, daß ein neues Gesamtbild gerechtfertigt wäre.

Wenn nun der Hanser Verlag trotzdem ein neues Buch von Safranski über die deutsche Klassik herausbringt, so scheint der Titel »Goethe & Schiller. Geschichte einer Freundschaft« tatsächlich etwas Neues zu versprechen. Aber schon bisher konnte keine reine Schiller- oder Goethe-Monographie darauf verzichten, das Verhältnis der beiden Dichter zueinander in aller Ausführlichkeit darzustellen. Safranski hat somit nichts anderes getan, als einen immer schon bekannten, allerdings zentralen Aspekt der Weimarer Klassik zu isolieren. […]

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LeseProbe: Wi(e)der die Juden. Judentum und Antisemitismus in der Publizistik aus sieben Jahrhunderten (F.J. Wiegelmann)

Donnerstag, 9. Juli 2009 21:33

Bsp.-Headline

Bsp.-Headline

::: Katalog-Buch zur gleichnamigen Wanderausstellung :::

Die ungeheuerlichen Verbrechen der Nationalsozialisten verstellen oftmals den Blick auf die Tatsache, dass Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit tief in unsere Geschichte zurückreichen. Die Publizistik hat in ihrer Berichterstattung über Jahrhunderte hinweg oftmals ein demütigendes, negatives Judenbild gezeichnet und so mit dazu beigetragen, den Boden für die Verbrechen des Dritten Reiches zu bereiten. Diese Entwicklung, von den frühen Flugblättern des Mittelalters bis hin zur Judenhetze im »Stürmer«, wird anhand beispielhafter Veröffentlichungen erläutert und gezeigt. Dem Versuch der Jüdischen Presse, den Verleumdungen und der Judenfeindlichkeit zu begegnen, ist ein eigenes Kapitel gewidmet. […] […]

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LeseProbe: Bidney – A Poetic Dialogue with Adam Mickiewicz

Sonntag, 5. Juli 2009 17:14

Cover - BidneyThe Steppes of Akerman (Adam Mickiewicz)

Into the wide expanse I plunge, waterless ocean:
Deep in the grass the wagon dips, rolls like a boat.
Amid the bending waves, flowers, it seems to float,
Avoiding coral islands, weeds, in winding motion.

Darkening in the west – no hill, path, will appear.
I stare into the sky, at every guiding star.
Is that the rising dawn? A shining cloud afar?
The Dniestr – Akerman country lighthouse – it is near.

Stop! Ah, so quiet. Listen! Hear the calling cranes
(Fleeing the hawk, they seek invisibility);
Butterflies’ moving wings in grass upon the plains;

A snake, slippery-breasted, bends the greenery.
In such a quiet, I, excited, take some pains
To hear my homeland’s call … Let’s go. No home for me. […]

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LeseProbe: Mit anderen Augen. Zehn Einblicke in das Kaleidoskop des Lebens (W. Butzlaff)

Dienstag, 30. Juni 2009 11:23

Cover - Butzlaff, Mit anderen Augen

Mit anderen Augen

Vorgestern ist das eingetreten, was ich lange erwartet hatte. Sie haben mich verhaftet, als ich mich gerade im Bauhaus-Museum vor ein Bild setzte, um es meiner Spezialbehandlung zu unterwerfen. Ich werde verdächtigt, auf Bestellung zu arbeiten. Aber den Auftraggeber kann ich nicht verraten, selbst wenn sie mich in Beugehaft nehmen. Es gibt ihn nämlich gar nicht. Doch jetzt muß ich erst mal dafür sorgen, daß ich bald hier rauskomme. […]

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LeseProbe: Franz Kafka. Motivik und Sprache … (I. Scholz)

Samstag, 27. Juni 2009 18:39

Ausschnitt "Gibs auf!", (c) J. Kiecker/Bernstein

Kleine Fabel

»Ach«, sagte die Maus, »die Welt wird immer enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, daß ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, daß ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, daß ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.«
»Du mußt nur die Laufrichtung ändern«, sagte die Katze und fraß sie.

Entstehung, Aufbau und Sprachform der Skizze

Der vorliegende Text – wohl einer der kürzesten von Kafkas Sprachstücken – ist im November/Dezember 1920 entstanden. Er war zunächst unbetitelt und erhielt später von den Herausgebern des Nachlasses die Benennung »Kleine Fabel«. Der lapidare Text ist – wie viele kürzere Sprachstücke Kafkas – in der Ich-Form geschrieben und enthält einen sprachlich pointierten Dialog zwischen einer Katze und einer Maus. Die Tierfiguren werden ohne epische Einführung vorgestellt. Der Autor springt mit den ersten Worten der Maus in medias res; es handelt sich bei ihrer Anfangsaussage um eine Art Sentenz, die eine allgemeine Erfahrung ausdrückt und die dann im folgenden auf den individuellen Fall verengt wird. Erst in der Schlusswendung des hier mitgeteilten Sachverhalts wird in den Worten der Katze eine Art Allgemeingültigkeit zurückgewonnen, die den Betrachter mit einbezieht. Das Ungewöhnliche des Vorgangs liegt in dem Überraschungseffekt dieser Schlusswende: Weder die Maus noch der Leser weiß zu Anfang etwas von der Katze, auf die jeder vorbereitende Hinweis fehlt.

Der sprachlich pointierte Text enthält neben dem präzise angegebenen Sachverhalt zwei Vokabeln, die Stimmungsbewegungen zum Ausdruck bringen: »Angst« und »glücklich«. Der Autor entwirft Bildfolgen, die den Weg der Maus durch die Alltagswelt von Zimmern, Mauern und Gängen veranschaulichen. Sprachlich bemerkenswert ist der Gebrauch der Temporalformen; wir finden einen Tempuswechsel vom Präteritum zum Präsens in der Mitte des Erzählvorgangs und einen erneuten Wechsel der Zeitformen umgekehrt vom Präsens ins Präteritum. Man erkennt in Anbetracht dieses Tatbestands, dass die Zeitformen der Verben bei Kafka nicht beim Wort genommen werden können; sie entsprechen nicht der grammatikalischen Norm. Die »Kleine Fabel« erweist die Gleichzeitigkeit von »sah«, »bin« und »laufe«; hier ist zeitloses Milieu, in dem Klärung und Gliederung durch die Zeitformen aufgehoben ist. »Im Zeitraffer verschwinden Chronologie und Tiefe des Raums, verschwinden Gegenwart und Zukunft«.[1] Die Orientierungslosigkeit der Kafkaschen Figuren spiegelt sich so auch in dem nicht schulgerechten Gebrauch der Zeitformen wider wie auch in der Andeutung und hinweisenden Gegenständlichkeit seiner Bildfolgen: der Lauf der Maus durch die enger werdende Welt, durch Zimmer und Gänge mit Mauern, die aufeinander zueilen, – bis in den begrenzenden Winkel mit der Falle und der nur zu erschließenden Änderung der Laufrichtung in die Fänge der Katze.

[…]


[1] Theo Elm, Problematisierte Hermeneutik. Zur ›Uneigentlichkeit‹ in Kafkas kleiner Prosa, in: DVJS 50 (1976), S. 477-510, hier: S. 499.

Weiterlesen in: Ingeborg Scholz: Franz Kafka. Motivik und Sprache in exemplarischen Texten seiner Prosaminiaturen (Mit Radierungen von Jürgen Kiecker); fadengeheftete Broschur, 12×19 cm, 96 S., zahlreiche s/w Abb., ISBN 978-3-939431-18-3, Euro 9,80.

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Leseprobe: Goethe und die Pädagogen (C. Günzler)

Dienstag, 23. Juni 2009 10:10

Wer sich vom Druck der Aktualitäten distanzieren will, muss die Vergangenheit befragen, denn nur vom Gestern her wird der ruhige und klare Blick auf das Heute frei, nur so entsteht die Chance zu einer kritischen Analyse aktueller Tendenzen. Dies gilt auch für das Verständnis von Bildung, also für die Pädagogik und da vor allem für die Frage, welchem Ziel die allgemeinbildenden Schulen verpflichtet sind, und hier führt kein Weg an Goethe vorbei. Niemand sonst hat so realistisch und so funda­mental über die Bildung nachgedacht wie er, und dies im Rahmen einer Zeitkritik, die schon um 1800 herum Risi­ken benennt, deren Tragweite wir erst jetzt in vollem Umfang spüren. […]

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LeseProbe: Circus Scribelli/Norbert Weis

Sonntag, 21. Juni 2009 16:32

[…] »Kämpfe und Krämpfe« überschrieb der Journalist Theo Sommer Anno 2003 seinen Aufsatz in der Wochenzeitschrift ›Die Zeit‹. Sommers ehemaliger Feuilletonchef in eben dieser Postille, Fritz J. Raddatz, hatte ein Buch herausgebracht, in dem er mit Verlag und Kollegen »abgerechnet« (Sommer) hatte. Unruhestifter hieß das Werk. Und um Unruhe zu stiften ging es dem Autor auch ganz augen­scheinlich.

Raddatz, ein offenbar streitbarer, die lauten Töne liebender Herr, war mit dem ›Zeit‹-Verleger, Gerd Bucerius, wiederholt aneinander geraten – zuletzt, nachdem er 1985 anlässlich der Frankfurter Buchmesse in einem Aufsatz den Bau des dortigen Hauptbahnhofs in die Goethezeit verlegt hatte. Was an sich kein Grund gewesen wäre, außer Fassung zu geraten: Schließlich rollte nur drei Jahre nach Goethes Tod, am 7. Dezember 1835, in Deutschland die erste Dampfeisenbahn von Nürnberg nach Fürth. […]

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